Steinkauz – Auswilderung

Es ist unser Anliegen, geeignete Lebensräume für den Steinkauz im Dresdner Westen und im Schönfelder Hochland zu identifizieren und mittels künstlicher Nisthilfen aufzuwerten. Im Zusammenspiel mit extensiven Landnutzungsformen sollen so die Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung der Areale durch den Steinkauz geschaffen werden. Eine natürliche Wiederbesiedlung im Dresdner Raum durch Zuwanderung aus freilebenden Steinkauzpopulationen z.B. aus der Region nördlich von Zittau oder aus dem benachbarten Tschechien erscheint auf Grund der Standorttreue und des geringen Migrationsdruckes der Art unwahrscheinlich. Deshalb soll durch Auswilderung von Nachzuchttieren, eine sich selbst erhaltende Wildpopulation von Steinkäuzen im Projektgebiet etabliert werden. Dafür bemühen sich ehrenamtliche Züchter seit einigen Jahren für eine kontinuierliche Nachzucht von Steinkäuzen für die Auswilderung. Das ist ein ambitioniertes Vorhaben mit ungewissem Ausgang und ohne Erfolgsgarantie.

Bestandssituation Steinkauz

Einstmals weit verbreitet waren in Sachsen 2007 nur noch drei bis sechs Brutpaare bekannt (STEFFENS 2013). In Deutschland ist die Art stark gefährdet (SÜDBECK et al. 2009) und laut der Roten Liste Sachsens ist der Bestand im Freistaat vom Aussterben bedroht (ZÖPHEL et al. 2015).

Im Dresdner Raum fand die letzte Brut in Podemus 1996 statt. Seit einigen Jahren gab es wieder einige Sichtbeobachtungen einzelner Vögel in und um Dresden und es wurden 2 hilflos aufgefundene Steinkäuze in der Wildvogelauffangstation betreut. 2020 wurde ein Todfund im Stadtgebiet von Dresden in Naußlitz registriert. 2021 gab es weitere Sichtungen im Raum Dresden, Der Steinkauz scheint in Dresden vereinzelt vorzukommen, Brutnachweise fehlen jedoch.

Der Steinkauz besiedelt als Kulturfolger bevorzugt Ortsrandlagen mit ausreichend Struktur für Tageseinstände und Bruthöhlen. Der offenlandgepägte Dresdner Westen verfügt über wichtige Biotope und Strukturen, die für den Steinkauz essenziell sind. Dazu gehören alte Dörfer mit ihren Gehöften, gepflegte Streuobstwiesen mit höhlenreichen Obstbäumen und Viehweiden (GRENIUK, 2016). Deshalb erscheint eine Wiederansiedlung in dem verwaisten Gebiet um Podemus im Dresdner Westen erfolgsversprechend. 

Das Schönfelder Hochland weist ebenso wie der Dresdner Westen offenlandige und bäuerliche Ortslagen auf. Weiterhin ist es ein Trittstein zwischen den Dresden Westen und dem Elbtal/Sächsische Schweiz/ Tschechien.

Im Schönfelder Hochland sind ausreichende und abwechslungsreiche, kleinteilige Strukturen als idealer Lebensraum vorzufinden.

Die extensive Nutzung durch Weidetiere wie Kühen und Pferde auf Streuobstwiesen und Offenland bilden eine perfekte Ergänzung zum vorherrschenden Lebensraum. Zahlreiche Pferdehöfe mit ihrer Arbeit bilden eine wichtige Grundlage für eine dauerhafte Kurzrasigkeit und damit eine automatische Pflege der Biotope. Streuobstwiesen mit alten, höhlenreichen Obstbäumen prägen ebenso das Landschaftsbild, Große Waldflächen fehlen. Die Symbiose aus Bewirtschaftung, Streuobstwiesen, Beweidung, offenen Ställen und Gebäude sowie Offenland bilden eine ideale Grundlage für eine Wiederansiedlung.

Projektziel

Zielstellung des Projektträgers ist es, eine sich selbsterhaltende Wildpopulation von Steinkäuzen in den beiden ausgewählten Gebieten zu etablieren. Dazu wurden bereits im Vorfeld, 100 Nisthilfen ausgebracht, um das Fehlen natürlicher Bruthöhlen zu kompensieren. Die Mitglieder des Züchterpools sind seit ca. 2017 bemüht, junge Steinkäuze nachzuziehen. Zunächst wurden die Nachzuchten für die Zusammenstellung von weiteren Zuchtpaaren eingesetzt. Insgesamt stehen derzeit 20 Zuchtpaare für die Nachzucht von auszuwildernden Steinkäuzen zur Verfügung. Aktuell wird davon ausgegangen, dass durch die Zuchtpaare eine stabile Reproduktion erfolgt, sodass auch in den kommenden Jahren genügend Jungtiere zur Auswilderung zur Verfügung stehen und Ausfälle durch Prädatoren, Witterung oder anthropogene Einflüsse ersetzt werden können.

Langfristig wird eine Vernetzung der Projektgebiete mit weiteren geeigneten Steinkauzhabitaten insbesondere im Landkreis Meißen und Sächsische Schweiz sowie dem Oberlausitzer Bergland und Landkreis Zittau angestrebt.

Projektgebiet

Dresdner Westen

Der offenlandgeprägte Dresdner Westen verfügt über wichtige Biotope und Strukturen, die für den Steinkauz essentiell sind. Dazu gehören alte Dörfer mit ihren Gehöften, gepflegte Streuobstwiesen mit höhlenreichen Obstbäumen und Viehweiden. Die letzte Brut im Raum Dresden fand 1996 in Podemus statt. Grund genug ein Wiederansiedlungsvorhaben in diesem Gebiet zu versuchen.

Das Projektgebiet zwischen Podemus und Merbitz ist ca. 110 ha groß und umfasst Grünland mit Rinderhaltung sowie großen Streuobstwiesen. Die Fläche ist groß genug, dass hier 3 Steinkauzpaare angesiedelt werden können, eins in der Nähe der Ortslage Podemus, eins in der Nähe der Ortslage Merbitz sowie eines zentral dazwischen.

idealer Lebensraum

Schönfelder Hochland

Das Schönfelder Hochland ist ca. 41km2 groß, die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt ca. 2900 ha.

Zunächst können auch hier 3 Paare angesiedelt werden. Ein Paar in der Ortslage Eichbusch, ein weiteres Paar in der Ortslage Schönfeld und ein weiteres Paar in Randlage von Borsberg. Hier sind angehende Reviere zwischen10-15 ha groß. Ausreichende Nisthilfen und natürliche Höhlen sind vorhanden.

Gespräche und Zusammenarbeit mit Flächenbesitzern-oder Nutzer sind erfolgt und bilden eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Ansiedlung und ein wichtiger Pfeiler der Arbeit.

Bestimmte Gebiete werden nicht immer durch Beweidung als idealer Biotop vorhanden sein.

Hier erfolgt durch den Projektträger eine Aufwertung der Biotope durch selbstständige Mahd oder eine Organisation durch örtliche Unternehmen. Diese Maßnahmen werden rechtzeitig und umsichtig durchgeführt.

Umsetzung und Methodik

In einer ersten Projektphase wurden geeignete Gebiete für eine Ansiedlung des Steinkauzes in Dresden identifiziert und aufgewertet. Die Grundlage dafür bildete eine Bachelorarbeit von Diana Greniuk von der HTW Dresden zum Thema „Bewertung der Eignung von ausgewählten Biotopen als Steinkauz-Habitat (Athene noctua) für künftige Wiederansiedlungsprojekte der Art in Dresden“ aus dem August 2016. Dabei wurden für den Steinkauz essentielle Habitatstrukturen auf insgesamt 63 Flächen im Dresdner Westen kartiert und Ihre Eignung als Auswilderungshabitate bewertet. Im Ergebnis wurden im Untersuchungsraum aktuell Flächen für die Auswilderung von insgesamt 7 Brutpaaren identifiziert.  Nach Optimierung weiterer Flächen können sogar bis zu 13 Brutpaare angesiedelt werden.

In einem nächsten Schritt wurden zahlreiche Nisthilfen in den Projektgebieten ausgebracht und deren Lokalisation dokumentiert. Im Schönfelder Hochland wurden im Jahr 2020/2021 30 Nisthilfen angebracht. Im Jahr 2018/2019 im Dresdner Westen 25 Nisthilfen. Durch das Athene Projekt des Umweltzentrum Dresden wurden weitere 50 Kästen im Großraum Dresden im Zeitraum 2019/2020 angebracht. Sie dienen als Ersatz für in der freien Landschaft häufig fehlende Bruthöhlen. Sie fungieren als Tageseinstand, Bruthöhle oder auch als Nahrungsdepot und pro Brutpaar sind 3 bis 4 Nisthilfen zu veranschlagen. Es ist eine regelmäßige, mindestens 2mal jährliche Kontrolle der Nistkästen vorgesehen.

Die Auswahl der Zuchtpaare erfolgte unter dem Aspekt der blutsfremden Verpaarung in Zuchtvolieren der beteiligten Züchter. Hierbei erfolgt ein ständiger Austausch von Zuchttieren mit anderen Projekten, wie den Beelitzer Landschaftswiesen, dem Tierpark Bischofswerda, dem Tierpark Riesa, Tierpark Thale und Tierpark Waschleithe.

Die zur Ansiedlung vorgesehenen Jungvögel sind beringt und werden vor der Ansiedlung veterinärmedizinisch untersucht, um den Gesundheitsstatus zu dokumentieren, ansteckende Erkrankungen auszuschließen und Ihre Eignung zu testieren.

Es erfolgt weiterhin eine Markierung der Jungvögel mit Farbringen.

Die Ansiedlung der als Paare zusammen gestellten Jungtiere soll sowohl in Form der Familienauswilderung als auch als sogenannte Handauswilderung praktiziert werden.

Die Auswilderung wird ab Mitte August – Ende September 2021/2022 erfolgen.

Hierbei wird in beiden oben beschriebenen Gebieten, um Podemus, Dresden-Leubnitz und im Schönfelder Hochland die Auswilderung erfolgen.

Die Art der Auswilderung wird vorher nach den örtlichen Gegebenheiten beschlossen.

Das Wohl der Tiere steht hier immer im Vordergrund.

Einen ausführlichen Auswilderungsbericht gibt es hier.

Auswilderungsbericht 2021
Voliere mit Steinkauz

Bei der Familienauswilderung werden die Jungvögel paarweise in einer mobilen Auswilderungsvolieren zusammengesetzt und artgerecht zugefüttert. Dies ermöglicht Ihnen eine Anpassung an das zukünftige Revier. Diese erfolgt dann immer Mitte September des Jahres.

Nach ein -bis zweiwöchiger Anpassung werden die Auswilderungsvolieren geöffnet und die Tiere können selbstbestimmt die Volieren verlassen. In einer Übergangszeit kann hier noch zugefüttert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die Familienauswilderung in Form eine stationären Auswilderungsvoliere.

Hierbei wird ein Zuchtpaar in eine fest installierte Voliere im Herbst eingebracht und verbleibt über den Winter als Paar in der Voliere. Nach erfolgreicher Brut wird die komplette Familie wie oben beschrieben im Herbst freigelassen. Es erfolgt dann wieder eine Neubestückung der Voliere von einem Zuchtpaar aus dem Züchterpool, mit der gleichen Verfahrensweise.

Der Bau eine stationäre Voliere ist im Herbst 2021 erfolgt. Hier erfolgt eine tägliche Kontrolle und Fütterung der Tiere.

Es kann nicht auf jeder Fläche solch eine stationäre Voliere erbaut werden. Hier erfolgt und wird weiterhin erfolgen ein ständiges Gespräch und Kontaktpflege mit Flächeneigentümern und Nutzern.

Bei der sogenannten Handauswilderung erfolgt die Auswilderung als sogenannter hard release in den Nisthilfen direkt. Die Paare werden einige Tage an dem neuen Nistplatz gekäfigt und mit Futter versorgt, um sich an das Revier zu gewöhnen. Nach 3 Tagen werden die Gitter entfernt und die Tiere sich selbst überlassen, auch hier kann eine Übergangsfütterung erfolgen.

Dokumentation und Monitoring

Der Erfolg eines Wiederansiedlungsprojekts muss über mehrere Jahre beobachtet werden. Ein begleitendes Monitoring kann vorhandene Schwachstellen, die bei der Habitatanalyse nicht berücksichtigt wurden oder die sich neu ergeben haben, erkennen und ggf. gegensteuern. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Optimierung der Habitate, allen voran auch die Bewirtschaftung des Grünlandes durch Weidetiere, wirkt sich möglicherweise auch auf andere Charakterarten der Streuobstwiesen aus.

Durch das Monitoring werden angebrachte Nisthilfen auch auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft. Kaputte Kästen repariert oder neu angebracht. Weiterhin werden vorhandenen Kästen eventuell ausgetauscht oder umgehangen. Weitere Kästen werden im Zuge der Arbeit kontinuierlich an geeigneten Standorten angebracht, dies erfolgt bis Ende 2021/2022.

Alle Beobachtungen und Hinweise, Beringungen, eventuelle Todfunde und Bruten werden schriftlich und zeitnah dokumentiert und digital  erfasst. Dies soll eine eventuelle spätere wissenschaftliche Arbeit unterstützen und fördern.

                                                                                                                                                 Dresden, 30.09.2021

Rajko Dankhoff

Steinkauzfreunde Dresden (leicht gekürzt)